Gesellschaft für anthroposophische Medizin in Österreich (GAMÖ)

Dr. phil. Rudolf Steiner (1861 – 1925) entwickelte in seinen Vorträgen1 für Ärzte, Jungmediziner und Medizinstudenten die theoretisch-methodischen Grundlagen für die Anthroposophische Medizin. Gemeinsam mit Dr. med. Ita Wegman (1876 – 1943) wurde ab 1920 begonnen, diese geisteswissenschaftlich erweiterte Medizin auch praktisch aufzubauen. Schon 1914 lernte der Wiener Medizinstudent Eugen Kolisko (1893 – 1939) die Anthroposophie kennen und wurde Mitglied der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. Nach dem Abschluss seines Medizinstudiums 1917 wurde er Dozent für medizinische Chemie an der Universität Wien, ab 1924 war er gemeinsam mit Ita Wegman an der Medizinischen Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft Goetheanum2 tätig.

In Wien fand 1922 ein öffentlicher „West – Ost – Kongress“ der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft statt, an dem Eugen Kolisko über medizinische Themen sprach. Auch R. Steiner hielt vor prominenten Ärzten und Wissenschaftlern in Wien einen Vortrag über die Befruchtung der Medizin durch Anthroposophie auf Einladung von Ferdinand Wantschura (Allgemeinarzt) und C.J. Apel (Begründer der Weleda Wien). Ferdinand Wantschura (1887 – 1966) praktizierte in der Folge die junge Anthroposophische Medizin und gab mit W. Spieß (Pharmazeut, Weleda) bereits 1946 seine ersten „Therapeutischen und pharmakologisch-pharmazeutischen Erfahrungen“ heraus, als erste therapeutische Unterstützung und Nachschlagewerk für tätige Ärzte. Heute übernimmt das Vademecum Anthroposophische Medizin3 diese Aufgabe.

Zu den österreichischen Ärzten, die in der Folge am Aufbau der Anthroposophischen Medizin in Österreich beteiligt waren, zählten auch die Ehefrau von Eugen Kolisko, Lily, das Ehepaar Norbert und Maria Glas und Karl König (1902 – 1966). Karl König war Zoologe, Allgemeinarzt, Heilpädagoge und Begründer der internationalen Camphill-Bewegung4.

Die österreichischen Anthroposophischen Ärzte organisierten sich 1971 in der Arbeitsgemeinschaft österreichischer Ärzte für Anthroposophisch erweiterte Medizin. Dem Gründungsvorstand dieser Arbeitsgemeinschaft gehörten Reimar Thetter (Allgemeinarzt, Wien), Robert Schigutt (FA f. Neurologie und Psychiatrie, Wien), Kurt Frank (Allgemeinarzt, Guntramsdorf), Hans Wolfgang Schwarz (Allgemeinarzt, Göß bei Leoben) und Elisabeth Strehli (Allgemeinärztin, Linz, Tochter von F. Wantschura) an. 1991 übernahm Harald Siber (FA f. Innere Medizin, Wien) den Vorsitz, 1998 Reinhard Schwarz (FA f. Kinderheilkunde, Graz).

In Mallnitz (Kärnten) wurde 1991, anlässlich einer Klausurtagung der Entschluss umgesetzt, die bisherige Arbeitsgemeinschaft in eine Ärztegesellschaft (Gesellschaft Anthroposophischer Ärtze Österreichs – GAÄÖ) umzuwandeln und eine eigenständige Ärzteausbildung einzurichten.
Die Konzeption eines eigenen Ausbildungscurriculums für die Ausbildung heranwachsender Jungmediziner wurde 1995 bei der Ärztekammer zur Akkreditierung eingereicht. Erst im Jahre 2000 konnte dieses Vorhaben erfolgreich mit dem ÖÄK-Diplom Komplementäre Medizin: Anthroposophische Medizin5 verwirklicht werden.
Eine eigene Homepage der GAÄÖ wurde 2000 erstmals gelauncht, Oktober 2016 wurde dieser Internetauftritt neu konzipiert und den aktuellen Erfordernissen angepasst.

Doing Gender führte 2009 – auf Initiative von anthroposophischen Ärztinnen – zur Umbenennung der GAÄÖ in Gesellschaft für Anthroposophische Medizin in Österreich (GAMÖ).

Christian Kellner (FA f. Innere Medizin, Wien) hat 2010 die Organisation und vor allem die inhaltliche Gestaltung der Ausbildung und 2013 den Vorsitz der GAMÖ von Reinhard Schwarz übernommen.

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(1) Rudolf Steiner Gesamtausgabe, GA-Nr.: 27, 312 – 319, http://fvn-rs.net/
(2) https://www.medsektion-goetheanum.org/
(3) http://www.gaed.de/gaed/struktur/vademecum.htm
(4) http://camphill.net/
(5) https://www.arztakademie.at/oeaeknbspdiplome-zertifikate-cpds/oeaek-spezialdiplome/anthroposophische-m/