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| Was ist Anthroposophische Medizin |
Was ist Anthroposophische Medizin?
Die Anthroposophisch Erweiterte Medizin wurde 1920 vom Österreicher Dr. Rudolf Steiner in Zusammenarbeit mit der holländischen Ärztin Dr. Ita Wegman und anderen Ärzten aus dem deutschsprechenden und niederländischen Raum begründet.
Anthroposophische Ärzte arbeiten weltweit vor allem im niedergelassenen Bereich, zunehmend in einer Reihe von Kliniken ( v.a. Schweiz, Deutschland, Schweden, Österreich, Großbritannien, Südamerika) und in Sanatorien: www.goetheanum.ch/medizin/index.htm
Die Universität Bern veranstaltet am Lehrstuhl für Komplementäre Medizin (KIKOM Uni Bern: Anthroposophische Medizin, Homöopathie, Neuraltherapie und Traditionelle Chinesische Medizin
www.cx.unibe.ch/KIKOM) regelmäßige Fortbildungen und interuniversitäre Forschungsvorhaben.
Die Fragen nach dem Wesen und Sinn des Krankseins und Sterbens und nach dem Ziel des Heilens werden heute von den Patienten in der Praxis täglich gestellt. So bedarf die ärztliche Kunst zunehmend einer spirituellen Erkenntnismethode, die ergänzend zur Naturwissenschaft das Geistige im Menschen erfahrbar werden läßt und so beide, Natur und Mensch, mit einer durchgehenden Ideenbildung umfaßt.
Ein solcher Erkenntnisweg ist die Anthroposophie.
Das Menschenbild
Die Anthroposophische Medizin ist eine Erweiterung der naturwissenschaftlich- technisch- universitären Medizin. Die Voraussetzung für sie bilden die naturwissenschaftliche Forschung und ihre Ergebnisse. Der Mensch besteht jedoch nicht nur aus einem materiell- stofflichen Körper. Die Ebenen der Lebensvorgänge, der Seele und des Geistigen werden in der Anthroposophischen Medizin hinzugefügt, erforscht und sind für Diagnostik und Therapie wesentlich mitzudenken.
Die Tatsache, dass das menschliche Wesen sich in dieser vierfachen Weise darstellen und äußern kann, wird in der sogenannten Wesensgliedererkenntnis bearbeitet. Wesensglieder sind geordnete Systeme, durch die der Mensch während des Lebens in seinen seelisch- geistigen und leiblichen Ordnungen in Erscheinung treten kann. Durch das Feste, den Stoffleib, kann sich der Mensch als individuelle Raumgestalt zeigen, die Schwere hat und in dieser Form einmalig ist. Der physische Leib ist messbar, wägbar und chemisch-analytisch quantifizierbar.
Die Gesetze, die sich im Flüssigen wirksam zeigen, sind denjenigen des Festen weitgehend entegegengesetzt. Im Wasser herrschen Leichte und Auftrieb. Darin wirken die Lebenskräfte. Die Erkenntnis dieser nur übersinnlich wahrnehmbaren Lebenskräfte ist grundlegend in der Anthroposophischen Medizin. Für die Gesetze des Lebendigen verwendet Rudolf Steiner den Begriff aetherischer Leib.
Die Luft ermöglicht die Atmung. Atmende Wesen mit einem abbauenden Stoffwechsel, wie Tier und Mensch, zeigen Eigenbewegung und seelische Regsamkeit als Zeichen eines mehr oder weniger bewussten Innenlebens. Durch die Laute oder die Sprache können sich diese seelischen Regungen äußern. Rudolf Steiner verwendet hier den Begriff astralischer Leib.
Die individuelle Geist- Natur des Menschen, sein ICH, findet ihren Ausdruck durch die Gesetze der Wärme. Wärme durchdringt alles. Jede Substanz ist in ihrer Erscheinungsweise und ihrer Aktivität von dem jeweiligen Wärmezustand abhängig. Geistige Aktivität ist daran gebunden, dass man sich für etwas erwärmen kann.
Die Grundlage für das Menschenbild in der Anthroposophischen Medizin sind die Forschungsergebnisse Rudolf Steiners über die Gesetzmäßigkeiten der Schicksalsbildung(Karma) und der Wiederverkörperung des menschlichen Geistes (Reinkarnation). Sie sind auch der Verständnis- und Gesinnungshintergrund für das therapeutische Handeln.
Mit den physikalisch-chemischen Erkenntnissen können wir nur den physischen Leib erklären. Die anderen Wesenglieder sind übersinnlich wahrnehmbar, äußern sich aber in ihren Gesetzmäßigkeiten auf der physischen, durch die Sinnesorgane wahrnehmbaren Ebene (der klinische Blick).
Für den Anthroposophischen Arzt wichtige Gesichtspunkte ergeben sich durch das Anschauen des Menschen nach der Dreigliederung. Diese baut sich zwischen zwei entgegengesetzt tätigen Systemen, die von Rudolf Steiner mit den Begriffen: Nerven- Sinnes-System und Gliedmassen- Stoffwechsel-System charakterisiert werden auf. Das Herz- Kreislaufsystem und die Atmung bilden als Rhythmisches System die zwischen den Polaritäten ausgleichende gesundmachende Mitte. Somit erscheint der Organismus dreigegliedert.
Therapeutischer Ansatz
Die polaren Kräfte von Ruhe und Bewegung werden durch Atmung und Kreislauftätigkeit im mittleren Menschen rhythmisch verbunden und zum Ausgleich gebracht. Im gesunden Menschen sind die drei Systeme und die vier Wesensglieder in einem dynamischen Gleichgewicht, jede Einseitigkeit bewirkt eine Krankheit. Bei Krankheit und Heilung handelt es sich also um eine innere Auseinandersetzung des Organismus, der seine Wesensglieder und sein Verhältnis zur Umwelt neu zu ordnen hat. Dabei kann sich der Organismus oft selber helfen, oder wird therapeutisch dazu angeregt zum Beispiel indem er eine heilende Krankheit erzeugt. So kann z.B. eine fieberhafte Entzündung helfen, eine Verhärtungstendenz im Organismus zu überwinden. Es kann nötig sein,, wie in der Notfallmedizin, wenn der Organismus die eigene Ordnung nicht wiederherstellen kann, die akuten Krankheitssymptome mit den Wirksubstanzen der modernen Pharmakologie zu beeinflussen.
Der Körper braucht in diesen Fällen seine direkte physische Grundlage, damit die Wesensglieder am Leib weiterarbeiten und ihn ergreifen können. Auch bei Krankheiten, bei denen eine Regeneration nicht mehr möglich ist, z.B. beim Insulinmangeldiabetes, ist eine substitutive Art von Therapie erforderlich. Chirurgische Interventionen behalten ihre Indikationen. Für die anderen Krankheitszustände bevorzugt der anthroposophische Arzt jedoch immer spezifische, individuell verordnete Arzneimittel oder küsntlerisch-therapeutische Übungen.
Heileurythmie und künstlerische Therapien
Innerhalb der Anthroposophischen Medizin sind besondere Heilverfahren entstanden, wie die Heileurythmie als eine Bewegungstherapie. Weiters hat der Anthroposophische Arzt die Möglichkeit, plastisch-therapeutisches Gestalten, Maltherapie, Musiktherapie und Sprachgestaltung zu verordnen. Der heilende Prozess wird durch die künstlerische Tätigkeit unter therapeutischer Begleitung vom Patienten selbst vollzogen. Die aktive Auseinandersetzung mit Farbe, Form, Klang, Sprache oder Bewegung führt den Patienten zum schöpferischen Umgang mit seinen Kräften und der Krankheit .
Leider werden diese Therapien, auch wenn sie ärztlich verordnet sind und die Therapeuten entsprechend fundierte, langjährige Spezialausbildungen vorzuweisen haben, zur Zeit noch nicht von den Krankenkasse honoriert.
Als spezielle Form der Massage gibt es die rhythmische Massage nach Hauschka-Wegman.
Anthroposophische Pharmazie
Grundlage der ärztlich verordneten Therapien sind die Medikamente. Die Arzneimittel aus den Naturreichen( Mineral - Pflanzen- Tier- Reich) werden durch verschiedene pharmazeutische Prozesse dem Menschen ähnlicher gemacht, so dass die Selbstheilungskräfte der Wesenglieder angeregt werden können. Durch die umfangreiche Gruppe von potenzierten Arzneimitteln in der Anthroposophischen Medizin könnte der Eindruck entstehen, diese Medizin sei ein Art von Homöopathie. Steiner würdigte Hahnemann und die Homöopathie in ausgesprochener Weise und hat sie auch gut gekannt. Er formte das homöopathische Prinzip: Similia Similibus Curentur um, indem er darauf verwies, daß dasjenige, was in großen Mengen im unteren Menschen krankmachend wirkt(d.h. im Stoffwechselmenschen), das wirkt in kleinen Mengen, wenn man es zur Wirkung bringt, vom oberen Menschen aus( d.h. dem Nerven- Sinnes-Pol), gesundmachend und umgekehrt. Durch verschiedene Potenzhöhen ( es werden vorwiegend Dezimalpotenzen gebraucht) kann dem Heilmittel eine bestimmte Richtung gegeben werden. In der Regel werden nicht höhere Potenzen als D30 verwendet. Charakteristisch ist die Gliederung der Potenzstufen in drei Hauptbereiche, entsprechend der funktionellen Dreigliederung des Organismus:
Stoffwechsel- Gliedmassen- System D1- D6 tiefe Potenzen
Zirkulations- Atmungs- System D8- D15 mittlere Potenzen
Nerven- Sinnes- System D20- D30 hohe Potenzen.
Im Unterschied zur Heilmittelherstellung in der klassischen Homöopathie wird in der Anthroposophischen Pharmazie meist von Hand geschüttelt und nicht nach unten sondern waagrecht oder nach oben. Die Schüttelzeiten werden den Ausgangsstoffen angepasst, dazu werden Einflüsse der Tageszeiten und Gestirnkonstellationen berücksichtigt. Verschiedene Wärmebehandlungen wie Mazerieren, Digerieren, Infundieren, Kochen, Rösten, Destillieren, Verkohlen bis zur Veraschung werden ganz gezielt eingesetzt, um die in der Wärme tätige ICH-Organisation differenziert anzusprechen. Spezielle Präparate sind die sogenannten vegetabilisierten Metalle (metallsalzgedüngte Pflanzen, wobei eine Art natürlicher Potenzierungsprozess durch die Pflanze geleistet wird.), die Metallspiegelpräparationen und spezielle Heilmittelkompositionen (die Typenmittel).
Am bekanntesten sind die von der Anthroposophischen Medizin in die Behandlung der Tumorkrankheit eingeführten Mistelpräparationen(wie z.B.: Iscador, Iscucin, Isoreel, Helixor, Abnobaviscum).
Anthroposophische Ärzte und Krankenhäuser
In Österreich gibt es neben einer Vielzahl von Arztpraxen seit 1999 das Paracelsus-Therapeuticon in Klagenfurt. Dort ist neben der ambulanten Betreuung eine Behandlung auf anthroposophischer Basis in der Tagesklinik sowie stationär möglich.
An der Universität Graz gibt es seit 4 Jahren eine Vorlesung über Anthroposophische Medizin im Rahmen des Studium generale.
Weitere Informationen über die Anthroposophische Medizin und die Ausbildungsmöglichkeiten können Sie über die Homepage der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte Österreichs:
www.anthromed.at erhalten.
Beispiele für weiterführende Literatur:
Grundlagenwerke:
Steiner R. Wegman I: Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen
Rudolf Steiner Verlag,
Steiner R.: Geisteswissenschaft und Medizin, Rudolf Steiner Verlag
und Vortragsreihe für Ärzte
Journal: Der Merkurstab: Vlg.: Ges. Anthrop. Ärzte in Deutschland e.V., Filderstadt
Erscheint 2- monatlich (www.merkurstab.de )
Wolff O /Husemann F: Das Bild des Menschen als Grundlage der Heilkunst, Band I- III, Verlag Freies Geistesleben
Fintelmann V: Intuitive Medizin. Einführung in eine Anthroposophisch ergänzte Medizin, Hippokrates Verlag
Sieweke, H: Anthroposophische Medizin 2 Bde. Verlag am Goetheanum, Dornach
Goebel W., Glöckler M,: Kindersprechstunde. Ein medizinisch- pädagogischer Ratgeber., Vlg. Urachhaus
Kiene H.; Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung, Springer Vlg. 2001
Vogel HH: Beiträge zu einer medizinischen Menschenkunde Bd I-III, Haug-Verlag
Selawry A, Metall - Funktionstypen in Psychologie und Medizin, Haug Verlag
Husemann A: Plastisch-musikalische Menschenkunde, Vlg Freies Geistesleben
ADRESSE:
Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte Österreichs
Tilgnerstraße 3/II
AT-1040 WIEN
Tel: +43 1 504 4908
Fax: +43 1 504 84 04
E-Mail: info@anthromed.at
Homepage: www.anthromed.at
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| Links zum Thema: www.anthromed.at |
| Quelle: Datum: Fr, 12. 9. 2003 |
Liste zuletzt aktualisiert am: Dienstag, 31. Jänner 2012, 14:23